13. Heichelheimer Kartoffelfest 2008

it durchaus gemischten Gefühlen blicken die Kartoffelbauern dieser Tag auf das trockene Wetter. Was der Landwirtschaft eher schlecht bekommt und eine qualittativ hochwertige Ernte derzeit verhindert, erwies sich für das 13. Heichelheimer Kartoffelfest als Glücksfall. Dorthin machten sich Samstag Heerscharen auf. Auf solch ein Gewimmel war Frederico Kauffmann-Doig nicht vorbereitet. Der 80-jährige Archäologe, seit 2007 Perus Botschafter in Deutschland, zeigte sich "vollkommen begeistert" vom 13. Heichelheimer Kartoffelfest. Als Ehrengast erlebte er, wie mehr als 10.000 Besucher aus Thüringen und benachbarten Ländern auf das Gelände rund um die Heichelheimer Mühle strömten, um die Kartoffel als wichtiges Grundnahrungsmittel und als Kulturgut zu feiern.

13. Heichelheimer Kartoffelfest 2008

Kauffmann-Doig, der Deutschland aufgrund seiner Herkunft sein Vaterland nennt, kennt aus seinem Mutterland zwar auch fröhliche Feste für die Frucht, die in Südamerika seit 8000 Jahren auf dem Speiseplan steht. Doch mit Heichelheimer Ausmaßen seien diese überhaupt nicht zu vergleichen. In Perua nenne man derartige Menschenansammlungen eine Hormiguera, was von Hormiguero, zu deutsch Ameisenhügel stammt.
Dass Heichelheim zudem ausgerechnet 2008 die Deutsch-Peruanische Kartoffelfreundschaft hochleben lässt, nannte der Botschafter im TA-Gespräch einen "Gottessegen". Schließlich befinden wir uns im von der UNO ausgerufenen Jahr der Kartoffel. Lob, Preis und Ehr" werden dem wahren Gold der Anden bzw. der Inka zuteil, wie einst der spanische Medizin-Nobelpreisträger Severo Ochoa die Kartoffel nannte.
Kauffmann-Doig gehörte auch zu jenen 36 Persönlichkeiten, die in diesem Jahr der "Prominentenacker" versammelte. Dort ging es traditionell an die Ernte. Während der Botschafter ebenso zur Tat schritt, wie u. a. Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski, Minister a. D. Andreas Trautvetter, Innenminister Manfred Scherer (r. untenen) und der stellvertretende TA-Chefredakteur Dirk Löhr, mussten sonst besonders oft die Heichelheimer Kartoffelprinzessin Katja I. und die Thüringer Bergkönigin Monika I. Hand anlegen: in Vertretung von Ministerpräsident Dieter Althaus, der Sozialministerin Christine Lieberknecht oder auch Weimars OB Stefan Wolf. Die ertragsreichste Reihe verbuchte Peter Winkler (Winkler Eigenheim-Bau) für sich, mit umgerechnet 430 Dezitonnen pro Hektar.

13. Heichelheimer Kartoffelfest 2008
Unser Nachbarstand - das Deutsche Bienenmuseum

Rundum zufrieden war nach dem Fest Dietmar Barthel vom Förderverein "Heichelheimer Kartoffel". Den Ansturm führte er neben dem Wetter auch auf veränderte Bedingungen zurück. Der direkt am Festgelände auf einem Feld eingerichtete Parkplatz erwies sich für das Mühlengelände als Vorteil. Der Nachteil traf die Ablig und das Kartoffelmuseum, die - im Dorf gelegen - deutlich weniger Besucher hatten. Als gute Entscheidung erwies sich derweil der Tausch von Festzelt und Bühne, was mehr Platz für das Festgetümmel schuf. Im Zelt fanden das Schaukochen und die Thüringer Meisterschaft im Kartoffelschälen statt. Diese entschied, als einer von zwei Männern unter vielen Frauen, der Weimarer Dolmetscher Willi Pawlik mit 2830 Gramm für sich. Das war neuer Rekord, Pawlik wurde spontan "Der schnelle Willi" getauft.

13. Heichelheimer Kartoffelfest 2008

Auch die Händler hatten ihre helle Freude am Publikum, und am späteren Nachmittag einige Not, als plötzlich kein einziger Kartoffelpuffer mehr vorrätig war und bald auch kein Stück Kuchen mehr. Permanenten Zuschauerandrang verzeichnete die Festbühne, die ein buntes Programm bot, mit dem Ingerslebener Schalmeienorchester und der Thüringer Jodelkönigin, Akrobatik und Breakdance aus Erfurt, Schaukämpfen des Weimarer Boxvereins und Modenschau aus Leuthental.
Den größten Spaß des Festes bot der Gaudi-Lauf mit der Rekordbeteiligung von zehn Teams. Die Heichelheimer Kirmesjugend hatte als Seriensieger und Veranstalter auf einen Start verzichtet. So war der Weg frei für die Ollendorfer Fußballer. Sie sicherten sich mit der Zusatzlast von 250 Kilo Kartoffeln den Sieg vor der Karland-Jugend (175 kg), die als Zeitschnellste ins Ziel kamen. Doch jedes Kilo brachte eine Sekunde Zeitgutschrift, was den Ollendorfern einen uneinholbaren Vorsprung bescherte. Frauensieger wurde übrigens Großobringen-Pink.

Quelle: Thüringer Allgemeine - Michael HELBING

13. Heichelheimer Kartoffelfest 2008
Frau Aurora Luque (li.) und Frau Konsulin Martha de Commer aus Peru

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